Dienstag, 10. März 2015

Da bin ich wieder... allein mit mir.

Also, wo fange ich an…
Ich hab anscheinend bei der Verteilung der Arschkarten ganz laut HIER geschrien.
Die Blutabnahme am Montag war ja nicht so dolle und der Wert, der mir donnerstags abgenommen wurde, stieg auch nur so minimal. Freitags war dann der zweite Ultraschall. Meine Mam war wieder mitgekommen und Schatz kam noch nach. Tja und auf dem Ultraschall waren wieder nur die Fruchthülle und der Dottersack zu sehen. Ich war bedient, wobei ich seit dem ersten Ultraschall gar keinen Bezug mehr zu meiner „Schwangerschaft“ hatte. Ich war nicht traurig, ich war sauer. Kletterte vom Stuhl, sah meine Mam an und meinte nur „Was hab ich verbrochen, hatte ich nicht schon genug Scheiße? Reicht es nicht langsam mal???“, die Ärztin war aber total lieb. Es tat ihr auch sehr leid, sie hatte sich so sehr für uns gefreut. Ich bekam dann eine Überweisung für’s Krankenhaus und Krankenschein bis 08.03.2015. Danach fuhr ich mit Schatz in den Nachbarort zu meiner Arbeitsstelle, um kurz zu erklären, dass ich ins Krankenhaus musste, meine Kollegin und meine 2. Vorgesetzte haben das super aufgenommen und mir alles Gute gewünscht. Danach direkt ins Krankenhaus, alle Voruntersuchungen abgeschlossen und Termin für Montag geholt. Der HCG Wert wurde noch bestimmt und ich wurde später angerufen, der Wert stieg zwar, aber laut der Ärztin war es „nicht Fisch nicht Fleisch“.
Am Wochenende haben wir versucht, zu entspannen. Ich hatte in mein Mami-Buch notiert, dass mein „Baby“ nicht wachsen wollte und es zu einer Ausschabung kommt und dann hab ich alles in eine Kiste gepackt und aus meinen Augen weg. Geweint habe ich nicht, aber viel nachgedacht. Warum weshalb wieso, aber darauf bekommt man keine Antwort. Schatz hat alles getan, um mich auf gute Gedanken zu bringen, er wollte mich nicht unglücklich sehen. Wenn er auch traurig war, war er derjenige, der die positiven Gedanken hatte und direkt sagte „Kein Problem, wir machen neu!“.
Montag morgen um 7:00 Uhr musste ich im Krankenhaus sein. Bekam direkt mein Zimmer und meine sexy Operationskleidung. Diese musste ich aber zum Glück noch nicht anziehen. Um 8:00 Uhr wurde noch einmal Blut abgenommen und den Wert bekam ich um 9:30 Uhr. Der Wert war weiter angestiegen und ich sollte zur Kontrolle noch einmal einen Ultraschall machen lassen. Beim Ultraschall schauten Schwester, Ärztin UND Oberarzt auf den Bildschirm und der Oberarzt drehte und machte und tat und meinte dann „Irgendwas ist da, was genau, kann ich nicht sagen. Ich will ihnen auch keine großen Hoffnungen machen, aber vorerst schaben wir nicht aus!“, so gingen wir mit gemischten Gefühlen nach 4 Stunden wieder nachhause. Ich sollte dann Mittwoch wiederkommen.
Mittwoch morgen das gleiche Prozedere. 7:00 Uhr auf Station, aber erst einmal ne Stunde im Warteraum. Um 8:00 Uhr kam ich in ein anderes Zimmer auf der Urologie, quasi zwischengeparkt. Da wurde dann nochmal Blut abgenommen. Den Wert bekam ich dann wieder gegen 9:30 Uhr. Leider sank der Wert nun, langsam, aber er sank. Also bekam ich meine Operationskleidung, Wolke-7-Tabletten und das Vaginalzäpfchen. Das Zäpfchen sorgte dafür, dass alles weich wird, sich die Gebärmutter zusammenzieht und sich die Frucht eventuell schon etwas löst und sich der Muttermund öffnet. Das dient dazu, dass das Verletzungsrisiko minimiert wird und die da nicht mit „Gewalt“ reinmüssen. Davor hatte ich leicht Schiss, da man mir freitags bei der Voruntersuchung schon sagte, dass das Schmerzen verursachen kann. Von einer lieben Mithibblerin erfuhr ich dann aber, dass es nicht schlimmer als Mensschmerzen sei. So war es dann auch. Da ich eh sehr schmerzunempfindlich bin, war es auszuhalten. Nur die 4 Stunden, die es einwirken sollte, haben sich gezogen wie Kaugummi. Um 13:15 Uhr kam dann mein George O’Malley und schob mich zu meiner OP. Die Wolke-7-Tablette hab ich weggelassen, ich hasse es, wenn ich vorher schon so benebelt bin und nichts mehr mitkriege. Vor dem OP-Raum wurde ich dann nach Name und Geburtsdatum gefragt, das hätte ich mit der Döse-Tablette gar nicht mehr auf die Reihe gekriegt. Dann musste ich auf die harte Bahre klettern und wurde festgeschnallt (Bauchgurt) und zugedeckt und in den Vorbereitungsraum gefahren. Tausend Schläuche und Piepgeräusche und ich ohne Brille halbblind. Aber die Uhr an der Wand war groß genug. Nach 5 min kamen zwei Typen rein. Ein Inder und einer mit Tunneln in den Ohren. Beide voll lustig. Das hat mir meine Angst etwas genommen. Während der Inder versuchte, mir die Injektionsnadel in den Handrücken zu stechen, hat der Tunnelmann mir die ganzen Piepknöppe auf meinen Oberkörper geklebt. Von der Narkose hab ich diesmal gar nichts mitgekriegt. Ich bekam die Maske auf den Mund und verspürte Druck im Handrücken. Es passierte aber nichts. Maske wieder weg, wieder ein-, zweimal Druck im Handrücken und Maske wieder auf. Während ich noch so denke „Man da passiert ja nichts“ (bei der letzten Narkose merkte ich, wie ich plötzlich schläfrig wurde und dann weg war), merke ich im nächsten Moment, wie ich wieder vom Aufwachraum in mein Zimmer gefahren werde und denke „Boah, fertig, geschafft. Du bist wach und es ist vorbei“, und merke, wie mir die Tränen hinunterlaufen. Das war laut meiner Mam um 14:50 Uhr. Ging also alles relativ fix. Ich war auch relativ schnell wieder beisammen, hatte auch noch nen Novalgintropf, aber Schmerzen kaum. Um 16:00 Uhr durfte ich dann schon was trinken. Um 17:00 Uhr kam dann mein Schatz um die Ecke. Sein Chef wusste ja Bescheid (er war auch total lieb zu mir und hatte montags schon angerufen und nach mir gefragt, wo er doch sonst son Arsch ist) und hatte ihn eine Stunde weggeschickt, damit er mich sehen kann. Da war ich glücklicherweise schon in meinen Joggingklamotten und sinnestechnisch wieder normal. Ich hab mich sooo gefreut!!! Ist auch alles gut gegangen, ich hatte nur leichte Schmerzen, nicht mehr als mit dem Zäpfchen vor der Operation. Als Schatz weg war, gab es was zu Essen und um 19:00 Uhr bekam ich dann meine Unterlagen und wurde entlassen. Ach ja, ich konnte nicht anders und hatte in meiner Krankenakte lesen können, das mein TSH Wert aktuell bei 1,11 lag. Wenigstens die Schilddrüse spinnt nicht mehr, da bin ich echt froh. Die Ärztin, die mich operiert hat, sagte dass alles gut gegangen ist und dass ich die erste normale Regelblutung abwarten soll und dann dürfen wir, wenn wir bereit sind, wieder starten. Meine Gyn hatte das auch gesagt.
Bisher geht es mir auch gut. Nach der OP hatte ich natürlich Blutungen, aber das hielt sich alles in Grenzen. Seitdem schleime ich mehr oder weniger vor mich hin, Blutung kann man das nicht nennen. Aber das ist okay so. Hab mich im Krankenhaus noch mit Einlagen eingedeckt, weil ich zuhause keine Binden habe. Die Ärtin meinte auch, ich soll mich nicht erschrecken, die erste Mens nach der Ausschabung kann heftig sein. Als sie das sagte, fiel mir auch ein, dass es damals auch so war. Bei der „Fehlgeburt“ an sich hatte ich nur einen Tag Blutungen. Aber die Mens danach war die Hölle, nicht schmerztechnisch, aber mengenmäßig. Das hatte mich damals noch gewundert. Jetzt weiß ich ja, dass es normal ist. Also mal sehen, wann die erste Mens eintrudelt. Damals hatte ich zwei perfekte 28er Zyklen und der dritte Zyklus war 76 Tage lang. Danach hatte ich so Schiss, dass ich erstmal wieder die Pille genommen habe. Und seit dem Absetzten im April waren die Zyklen immer unterschiedlich zwischen 29 und 36 Tagen. Mal sehen…

Und das allerdollste sind ja die Daten.
Als ich damals die Blutung hatte und dann ein paar Tage später bei meiner Gyn war und erfuhr, dass das, was da war, nicht mehr ist, war es der 04. März. Und meine Ausschabung letzte Woche war auch der 04. März. Nur 2 Jahre dazwischen. Wie scheiße ist das denn?

Am 04.02. positiv getestet und am 04.03. ist alles vorbei. Das ist so unfair.
Aber ganz ehrlich? Als ich am 04.02. den positiven Test in der Hand hielt, dachte ich nur „Heute ist das Datum, an dem ich meinen Exmann kennen gelernt habe, hoffentlich ist das kein schlechtes Zeichen!“, habe mich dann aber gefreut, als jede Woche der Test positiver wurde bzw. die Wochenanzeige anstieg. Da machte ich mir keine Sorgen mehr. Ich hoffe nur, dass ich nicht wieder im Februar positiv teste. Ich hoffe, dass es schneller geht. Ich bin zwar nicht die Norm und denke auch nicht, dass ich innerhalb der ersten 3 Monate nach der AS wieder schwanger bin, aber es wäre doch schön, wenn es dieses Jahr noch klappen würde. Montag muss ich zur Nachsorgeuntersuchung, aber ich denke, es wird alles in Ordnung sein. Ich hab bisher keine Schmerzen, nur ab und zu zieht es mal, aber ich denke, das ist der Heilungsprozess.

Trotzdem ist 2015 ein gutes Jahr für mich.
Schatz und mir war ja immer klar, dass wir heiraten… irgendwann mal. Auch wenn es für mich das dritte Mal wäre. Er hat damit kein Problem. Ich hatte nur vorerst immer Angst. Aber die hat sich schnell gelegt. Die ganze Beziehung war anders, als alles was ich vorher erlebt hatte. Und wir wollten uns Zeit lassen. Wir waren ja eh zusammen. Mit der Schwangerschaft änderte sich alles. Schatz wollte alles unter Dach und Fach haben, da wir ja nun eine richtige Familie werden würden. Also dachten wir uns, dass es im Juni am besten wäre. Nicht zu heiß, der Bauch noch nicht zu groß. Und lieber vorher als nachher, denn wer weiß, ob man die Hochzeit genießen kann, wenn das Baby schon auf der Welt ist.
Nach der Diagnose, dass ich ins Krankenhaus muss, sagte ich nur, dass wir ja nun keinen Stress mehr haben wegen der Hochzeit. Tja und was soll ich sagen? Schatz meinte, er liebe mich und wolle für immer mit mir zusammen sein, das mache er nicht davon abhängig, ob wir ein Baby haben werden oder nicht. Und da im April sein Bruder zu Besuch kommt und er dann auch gleich die Papiere mitbringt, könnten wir doch direkt dann heiraten, dann hat er auch jemanden aus seiner Familie dabei. Das ist zwar kurzfristig, aber es ist ja nur Standesamt. Die große Hochzeit wird irgendwann in Griechenland stattfinden. Jedenfalls sind wir gerade dabei, alles zu organisieren. Wir haben zwar noch keinen Termin, weil wir dafür erst die Papiere haben müssen, aber ich bin in Verhandlung mit der Standesbeamtin, ob wir den Termin nicht schon vorher bekommen können und dann die Papiere ein paar Tage vorher reinbringen können. Sein Bruder ist nur eine Woche da und dann ist an dem Wochenende noch Ostern. Das wird knapp. Aber ich denke, das haut alles hin. Die Standesbeamtin meinte schon, sie könne uns noch reinquetschen, den Rest wollte sie telefonisch mit mir bereden.
Die Ringe haben wir gestern bestellt. Wir sind so glücklich, ich glaube, die AS hat uns noch enger zusammen gebracht. So hab ich mir das immer gewünscht, in guten und schlechten Tagen, in Gesundheit und Krankheit, dass man alle Wege gemeinsam geht und man zueinander steht.

Ich wollte eigentlich nie wieder heiraten. Aber es ist jetzt der Richtige.
Und vielleicht gilt bei mir einfach das Motto „Alle guten Dinge sind drei…“
Zwei Scheidungen, zwei Fehlgeburten. Beim dritten Mal geht alles gut!!!

Hier nochmal meine ß-HCG Werte:

6+5    6000
7+1    7600
7+2    9000
7+5    12061
8+0    12000

Dafür dass der Wert sich alle 2-2,5 Tage verdoppeln sollte, hat meiner lange gebraucht.
Aber vielleicht ist es gut so. Wer weiß, ob und was sich daraus entwickelt hätte, wenn sich überhaupt was entwickelt hätte.
Wird nur schwer, wenn ich Geburtstag habe, das wäre der Entbindungstermin gewesen.
Ende Mai ist im dem Ort vom Krankenhaus auf dem Nordfriedhof eine kleine Beisetzung. Da werden alle Fehlgeburten unter 500 g in einem kleinen Sarg bestattet. So hat man eine Anlaufstelle zum Trauern und Abschied nehmen. Ich finde, das ist eine schöne Geste.

Wer weiß, vielleicht schnackelt es im Urlaub? Wir werden im Juli nämlich doch ein paar Tage nach Griechenland fliegen, einfach zum Abschalten.

Danke übrigens für die lieben Worte per SMS, Twitter, Instagram und Facebook. Das hat mir sehr gut getan. Man merkt, man ist nicht alleine!!!

3 Kommentare:

  1. Liebe Kounavaki, es tut mir wirklich von ganzem Herzen leid!! Aber ich finde Deine prinzipiell positive Einstellung super - und ich bin mir sicher, dass aller guten Dinge drei sind!!! Viele herzliche Grüße und alles Liebe - Kitty ♥

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