Was macht man, wenn sich plötzlich jemand in dein Leben schleicht und die Grundvoraussetzungen denkbar schlecht sind? Arbeitskollege, Sprache, Altersunterschied...?
Im August wurde er mir vorgestellt. Neuer Arbeitskollege aus Griechenland, nicht-deutsch-sprechend, in meinen Augen nichtssagend, aber ich hatte auch grade wieder Liebeschaos hinter mir und gar keinen Schnüff auf irgendwas, was mit Männern zu tun hatte. Kurz um, er war ein Arbeitskollege, mehr nicht. Vorerst... Selbst an dem Abend, wo wir alle gemeinsam was trinken waren, fiel er mir nicht auf.
Doch den ersten Schritt hatte ich in die Wege geleitet, als ich ihn auf Facebook entdeckte und als Freund anklickte.
Irgendwann Mitte September gefiel mir beim Arbeiten ein griechisches Lied, welches im Radio lief und ich fragte den Chef, von wem das sei. Er wusste es aber nicht. Na gut, Pech. Kann man nichts machen.
Am Abend später, als ich dann zuhause war, bekam ich eine Nachricht über den Messenger und sah, dass sie von IHM war. Ich dachte nur "Häh, was will er denn jetzt, der kann doch kein Deutsch...", ich öffnete die Nachricht und es war der Link zu dem Lied, was mir auf der Arbeit so gefiel. Das fand ich ja schon sehr süß. Und so fing dann die erste "Schreiberei" über den Messenger an.
Da es mit der Sprache ja bei beiden etwas haperte, nutzen wir den Google-Übersetzer. Nicht immer einfach, da er nicht alles 100%ig übersetzte, aber es klappte irgendwie. Jedenfalls merkte ich, dass er sich bemühte, sich mit mir zu verständigen.
Kurzum, an diesem Abend ging es noch hin und her mit der Schreiberei und er wollte irgendwann ein Foto von mir. Mhm, das fand ich schon seltsam, wir hatten uns ja den ganzen Tag auf der Arbeit gesehen. Aber gut, ich schickte ihm eins, er wollte mich ja sehen, wie er schrieb. Er wollte dann noch ein weiteres und ich fragte, was ich dafür kriege. Er fragte, was ich haben will und ich ging aufs Ganze, da ich ihn testen wollte, wie weit er geht und schrieb "Kuss" und wartete gespannt auf seine Antwort, die auch prompt kam "Ganz viele ich dir geben kann". Okaaay, ich gebe zu, damit hatte ich nun nicht gerechnet, aber gut. Vielleicht war es nur heiße Luft, was wusste denn ich, ich kannte den Typ nicht mal.
Jedenfalls ergab sich dieser Kuss dann 2 Tage später. Wir waren schon in den letzten Zügen in Richtung Feierabend und ich stand am Hintereingang und schnappte ein wenig frische Luft, nicht wissend, dass ER gerade den Müll weggebracht hatte und nun um die Ecke kam. Da stand er vor mir und grinste und kam immer näher. Erst Nase an Nase und ich dachte schon "Oh Gott, jetzt gleich küsst er mich!", und dann ging es ab. Boah... an dem Abend hat sich bei mir irgendwas verändert, der Kuss hat mich aus den Socken gehauen und ab dem Abend gab es jeden Tag Küsse, immer wenn uns die Gelegenheit geboten wurde. Ich freute mich auf die Arbeit, grinste wie eine Blöde und bekam Herzklopfen, wenn ich ihn sah. Er betonte aber sofort, dass er keine Beziehung wolle. Mir kam das ganz Recht, hatte ich auch kein Bock drauf. Aber die Knutscherei war der Hammer.
Leider hatte uns der Chef einmal erwischt, er musste aber selber grinsen, meinte dann, wir könnten ja nach Feierabend tun was wir wollen.
Im Oktober gab es einen Abend, an dem er nicht gut drauf war und mich ignorierte. Das tat mir so weh und da merkte ich, scheisse, ich hab mich verknallt, das konnte ich ja gar nicht brauchen. Zuhause schrieb ich ihm, ob ich was falsch gemacht hätte und warum er mich so ignorierte. Er meinte nur, dass niemand was falsch gemacht habe und wir nicht zusammen sein können. Ich meinte nur, dass ich das doch wüsste und es okay sei, aber er mich nicht ignorieren muss, wenn er mal schlecht drauf ist. Er entschuldigte sich und es tat ihm leid, er hatte zuviel im Kopf. Das war auch das einzige Mal, wo er so komisch war. Wir knutschten weiter wie die Wilden und der Chef fing langsam an, Stress zu machen. Er wolle kein Paar auf der Arbeit. Ich sagte ihm, dass wir kein Paar sind und wir nur Spaß haben. Trotzdem mussten wir aufpassen. Der Chef hatte mich auf dem Kieker. Ich versuchte auch Abstand zu halten, doch er machte es mir nicht leicht. Wenn ich ihn ignorierte, kam er mir erst Recht ins Lager hinterher und küsste mich. Also ging es weiter und weiter und doch schrieb er immer wieder, er wolle keine Beziehung. Ich hatte nie danach gefragt, aber ich akzeptierte es, wollte es genießen solange es anhielt. Auch als er mich im November fragte, ob ich in ihn verliebt sei und ich es bejahte, meinte er, er sei auch verliebt. Aber wir können nicht zusammen sein, es müsste alles so bleiben wie es nun sei. Okay. Kann man ja nicht erzwingen, obwohl ich anfing, es mir zu wünschen, dass er endlich merken würde, dass da mehr zwischen uns ist.
Im Dezember war er dann bei mir zuhause. Die Blicke, die wir austauschten, sagten mir, dass er mehr für mich empfand, als er zugab. Aber ich wollte mir auch nichts einbilden. Schließlich wusste ich nicht, wie die Griechen ticken und ich wollte nicht wieder auf die Nase fallen.
Danach war er eine Woche in seiner Heimat, einiges regeln, da er ja in Deutschland bleibt. Ich nahm mir vor, es locker zu sehen. Wer weiß vielleicht hatte er dort jemanden oder die Woche würde ihn "wachrütteln", ich wollte ihn die Woche über in Ruhe lassen, wenn er sich melden will, könnte er das ja tun.
Direkt am ersten Abend schrieb er mir, dass er mich vermisst. Ich war glücklich. Er meldete sich jeden Tag und er freute sich auf die Rückkehr. Es war, als hätte die Woche uns gut getan. Alles war noch vertrauter, als er wieder da war. Die Blicke, die Küsse. Er schrieb das er froh sei, mich wieder zu haben.
Nur der Chef war sauer und einen Abend eskalierte es. Er hatte mich ein paar Tage vorher schon zur Seite genommen und mir gesagt, dass er das nicht will. Das er zwar weiß das es schwer sei wenn Gefühle mit im Spiel seien aber es müsse aufhören. Er habe Verantwortung für ihn und er sei glücklich mit dem was er habe. Ich fühlte mich nicht gut genug. Klar war es für mich auch nicht leicht. Für mich war es immer ein Tabu, etwas auf der Arbeit anzufangen, dann die Sprachprobleme, wobei mit Hand und Fuß alles geht. Und dann der Schock, als ich damals auf Facebook sein Geburtsdatum sah. Wie kann das funktionieren? Ich hab versucht, mir das schlecht zu reden. Was will er mit einer Freundin, die 9 Jahre älter ist. Aber er sagte, Liebe kennt kein Alter. Mir machte das anfangs schon zu schaffen, auch wenn man ihm sein Alter nicht ansah (und mir auch nicht). Ich denke dann immer an später. Fühlte mich wie eine schlechte Frau, die sich son Jüngelchen als Spielzeug nimmt. Aber als ich mich verliebte, wusste ich das alles nicht. Und das Herz schaut nicht nach Alter, Religion oder Herkunft.
Jedenfalls hat es an einem Abend richtig geknallt und der Chef stellte klar, dass er das Thema mit uns beiden nicht mehr hören will. Jeder wusste, das wir was miteinander haben und damit sollte auch gut sein. Er wollte kein Gerede mehr. Und er sagte zu mir, dass ich es irgendwie in den Griff kriegen soll, aber erwähnte dann auch, dass er wisse, das ER auch Gefühle für mich habe und man merke, dass es nicht mehr nur Spaß sei. DAS zu wissen, machte die Sache für mich noch schwerer.
Trotzdem wusste ich nicht, wo ich dran war. Er hatte ja oft genug angemerkt, dass er keine Beziehung wolle, also fragte ich nicht nach. Auch wenn mich das nervte. Nach der Standpauke mit dem Chef schrieb ich ihm, dass es mir unendlich leid tue und mein Herz bricht, aber wir das beenden müssen, weil ich nicht will das er Probleme auf der Arbeit bekommt. Und was schreibt er? "Wir finden eine Lösung!", das war nicht, was ich hören wollte. Obwohl, eigentlich schon. Das zeigte mir, dass es ihm ernst war (mit was auch immer) und er sich nicht reinreden ließ. Trotzdem versuchten wir, beim Arbeiten Abstand zu halten. Es kamen die Feiertage und ich wünschte mir nichts mehr, als in seiner Nähe zu sein. Doch das ging halt nicht. Meine Chance kam dann Silvester. Ich war bei einer Kollegin eingeladen, die neben dem Chef wohnte, so wusste ich, dass ich ihn wenigstens Mitternacht sehe, wenn wir draußen die Korken knallen lassen. Und so war es dann auch. Als der Chef sich um anderes kümmerte, konnten wir ein paar kurze Küsse austauschen. Und dann kam der Chef auf mich zu und fragte mich, ob ich mit Feiern kommen möchte. Ich überlegte nicht lange und fuhr mit. Ich konnte Silvester mit meinem Griechen verbringen, es war für mich der Himmel auf Erden. Wir haben den ganzen Abend Hand gehalten und zusammen getanzt. Es war richtig schön. Im Nachhinein erfuhr ich, dass er den Chef gebeten hatte, mich zu fragen, weil er mich gern dabei haben wollte.
Doch zusammen waren wir irgendwie nicht. Das dauerte noch ein paar Tage.
Ich hatte einen schlechten Tag und mich verhoben, hatte Schmerzen ohne Ende. Glücklicherweise kam ein Freund vorbei (der ist fast jeden Tag dort und ich kenne ihn aus dem Kindergarten) und ich fragte ihn, ob er mir den Rücken einrenken könne, da ich solche Schmerzen hatte. Mein Grieche kam auch ins Lager und verstand kein Wort, sah nur, wie ich bei meinem Kumpel am Hals hing. Das war der Auslöser für ihn Tacheless zu "reden". Er schrieb mir über den Messenger, ob ich ihn liebe oder nicht, er müsse das wissen. In dem Moment, als ich die Nachricht laß, kam er aus der Küche und sah mich ernst an. Ich deutete auf mein Handy und nickte. Dann nahm er mich in den Arm und küsste mich. Trotzdem war die Stimmung angespannt. Auch als er mir Abends schrieb, dass er mich auch liebt, war noch nicht ganz klar, was diese ganze Sache ergibt.
Das mit meinem Kumpel schien ihm doch querer zu liegen als er zugab. Mit Hilfe eines griechischen Bekannten konnten wir uns dann über den Messenger austauschen. Er war eifersüchtig, verstand nicht, dass ich mich umarmen ließ, wenn ich doch jemand anderen liebe. Ich erklärte ihm, dass es bei uns nichts Wildes ist, wenn man sich freundschaftlich umarmt und das ich den Typen seit dem Kindergarten kenne. Das war dann okay für ihn. Er sagte, er wolle nicht loslassen, da er mich zusehr liebe und dass er es mit mir versuchen will. Seitdem waren wir endlich ein Paar.
Trotzdem hatte ich Angst. Die nahm er mir aber ganz schnell. Auch der Chef schien es zu akzeptieren. Er meinte nur, ich solle ihn nicht unglücklich machen. Haha, hatte ich doch insgeheim darauf hingearbeitet und so sehr gehofft, dass er doch mehr will und sich auf eine Beziehung einlässt, da werd ich doch keinen Mist machen.
Seine Mutter kam auch im Februar 2 Wochen nach Deutschland. Hat mich direkt begutachtet sozusagen. Geredet haben wir nicht (ging ja nicht), aber sie schien einen guten Eindruck von mir zu haben. Ich fahre jedenfalls im Sommer mit meinem Schatz in seine Heimat. Glaube wenn sie mich nicht mögen würde, hätte sie keine Lust, mich 3 Wochen zu ertragen.
Nachdem wir so einen schweren Start hatten, denke ich schon, dass das Potential hat. Wenn ihm das zu stressig gewesen wäre, hätte es genug Möglichkeiten gegeben, diese ganze Sache abzubrechen. Alleine wegen unserem Chef. Aber er hat dagegen gehalten, sich nichts verbieten lassen und zu mir gestanden und tut es noch jetzt.
Er hat wohl im Dezember schon unheimlich viel von mir erzählt, als ich noch gar nicht wusste, dass es in diese Richtung geht. Und als ich ihn die Tage fragte, wann er für sich gemerkt hat, das er mehr fühlt, meinte er "In dem Moment als ich dich sah, hat es mich erwischt!", er war also schon eher in mich verliebt, als ich in ihn. Tja so kann es gehen. Dann macht auch alles einen Sinn. Wieso er mir das Lied schickte, warum er immer wieder nach Fotos fragte und sich auf den Kuss eingelassen hat. Er hat mir letztens auch gesagt, dass es ein Fehler war, sich nicht auf eine Beziehung einzulassen, aber er hatte Sorge wegen der Sprache. Ich meinte nur, dass sich die Warterei auf jedenfall gelohnt habe und ich froh sei, dass wir uns nun endlich haben.
Jetzt war da nur noch die Sache mit meinem Kinderwunsch. Bei dem Altersunterschied hatte ich nicht den Mut, dieses Thema überhaupt anzusprechen. Wobei die Griechen ja in allem sehr früh sind. Einer seiner Brüder hat mit 19 Jahren geheiratet und hat auch eine Tochter. Naja trotzdem, ich wollte ihn nicht verschrecken. Und am Wochenende kam er plötzlich und fragte, wie ich über Kinder denke. Ich sagte, das ich mir schon eins wünsche, nur noch nicht jetzt. Er sagte, das er Kinder liebe und ein Baby will. Wie ich darüber denke. Ich meinte, dass ich mir immer eine Familie gewünscht habe und er sagte "Und jetzt sind wir eine Familie!"
Tja meine Lieben, es scheint, als musste erst ein Grieche kommen um mich glücklich zu machen. Klar habe ich auch diesmal keine Sicherheit (meine "alten" Blogleser wissen, was ich vorher für einen Scheisse hatte), aber ich genieße es und bin einfach glücklich. Alles andere wird sich von alleine ergeben, ich mache mir da keinen Druck mehr. Was kommt, kommt eh, das kann man nicht erzwingen.
Aber eins habe ich gemerkt... Liebe ist grenzenlos.
In diesem Sinne, auf in den neuen Blog ;-)
juhuuu, du bist wieder da :-D.
AntwortenLöschenich freue mich schon drauf, die ganze geschichte noch mal nachzulesen <3
ich freu mich so für dich!
LG Toffi
Yay!! Welcome back, sozusagen ;)
AntwortenLöschenKann mich Toffi fee nur anschließen :) Ich freue mich drauf ♥
Ja ich probier es nochmal ;-)
AntwortenLöschenOh, ich freue mich so sehr für dich!!!! Alles alle Gute euch beiden!!!!
AntwortenLöschenDanke dir!
AntwortenLöschenwie schön dich wieder unter den schreibenden zu sehen :)
AntwortenLöscheneine sehr schöne geschichte, die dieses mal hoffentlich mit einem happy end endet :) ich würde es dir so sehr wünschen :)
Herzlichen Glückwunsch erstmal. :)
AntwortenLöschenJetzt wo alles so gut läuft bei euch, dachte ich, ich les mal rückwärts, wie alles begann. Jetzt bin ich ganz am Anfang gelandet. Tolle Geschichte - Ich freue mich für euch.
Darf ich vielleicht einen Link zu deinem alten Blog haben? Ich kenne ihn nämlich leider nicht.
❤-liche Grüße, Spring